Früher, als Krankenschwester, sagte ich oft:
„eine Frau mit zwei Händen ist eindeutig eine Fehlkonstruktion. Da hat die Evolution versagt.“ Oder: „Krankenschwestern sollten entweder Kilometergeld kriegen oder Rollschuhe.“
Im Frühjahr 2003 begegnete mir auf einem Augsburger Schrottplatz eine wunderbare alte Waschmaschinen- Trommel.
In dem Moment, wo ich die Klappe öffnete, war die Idee geboren und ich wusste, das wird der Kopf einer Frau mit 6 Armen und 6 Beinen, der man ins rotierende Hirn schauen kann.
Bei der Fertigstellung hatte ich einen unbändigen Spaß.
 
Und hier ist sie, die fast perfekte, moderne Frau,:
 
sehr schlank, aber doch vollbusig, gepflegt und geschminkt, mit Lidschatten und feuerrotem Kussmund, Nagellack, Bauchnabel- Piercing, Ohrringen und ihrer extra auf wild gestylten bunten Lockenmähne.
Hilda Trommelkopf ist natürlich Krankenschwester.
Sie trägt Schwestern- Sandalen, Turnschuhe und Stöckelschuhe. Aber irgendwie sind ihr die Beine ziemlich durcheinander gekommen.
In den Händen hat sie eine Spritze mit Acryl- Blut, einen Spiegel, einen Kleisterpinsel, Putzutensilien, ein Buch: Freu dich des Lebens!, und ein Spieltier, lauter unentbehrliche Dinge für die moderne Frau. Und schon hatte sie keine Hand mehr frei für den Kochlöffel. Den musste ich ihr unter die Achsel klemmen.
Im Hirn hat sie neben zwei Eimern voller Getriebe und Zahnrädern zwei Kinder, einen Hund eine Spritze, einen Kuchenpinsel, einen Farbpinsel, einen Spülschwamm und eine Wimperntusche. Ganz dringen fehlt ihr noch ein kleiner Plastik-Computer oder Laptop. Ich habe noch keinen gefunden.
Erst als ich das fertige Kunstwerk betrachtete, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich hier nicht nur die Überforderung der modernen Frau drastisch, aber spaßig plastisch dargestellt habe, sondern gleichzeitig auch ein humorvolles Selbstportrait geschaffen habe von mir in der Zeit vor meinem Zusammenbruch.
Und ich stellte ganz überrascht fest, dass ich durch die Freude an der Arbeit und die fröhliche Darstellung meiner Katastrophe, in diesen Wochen Frieden geschlossen habe mit meiner Vergangenheit, mit dem eigenen Versagen, vielen unangenehmen Erfahrungen und Enttäuschungen in dieser schwierigen Zeit.
An der Ausstellung habe ich es sehr genossen zu beobachten, wie die Besucher begeistert Hilda Trommelkopf umkreisten und bei jeder Runde neue Details entdeckten. Von über 2900 Besuchern ist es nur 1 Frau gelungen, die Figur ohne zu lächeln zu passieren.

Ich wünsche mir für Hilda Trommelkopf einen Standort im Eingangsbereich einer (Frauen-) Klinik oder eines Kurhauses.

Für Tipps siehe heiteres Vermarktungsspiel